Acht Fragen an Andreas Herrmann - Vorstand des LVBG (Landesverband der Berliner Galerien)

Berlin ist einer der wichtigsten Kunststandorte Europas, doch der Galeriealltag wird komplexer. Zwischen internationalem Wettbewerb und steigendem Verwaltungsaufwand stellt sich die Frage: Wie lassen sich Arbeitsabläufe optimieren und Kunstwerke effizient verwalten? Im Gespräch mit Herrn Herrmann vom Landesverband Berliner Galerien (LVBG) beleuchten wir die Bedeutung professioneller digitaler Strukturen und einer zentralen Kunstdatenbank für den wirtschaftlichen Erfolg. Erfahren Sie, warum eine moderne Galerie-Software heute das Rückgrat für nachhaltiges Wachstum am Kunststandort Berlin ist.

1. Herr Herrmann, was motiviert Sie in Ihrer Arbeit für den LVBG?

Mir liegt die Kunst am Herzen, gerade auch am Standort Berlin – dieser pulsierenden, sich immer wieder neu erfindenden, multikulturellen und offenen Stadt. Damit Kunst hier sein kann, was sie ist: breit gefächert, innovativ, streitbar und provokativ, bedarf es eines starken Zusammenschlusses aller Kunstschaffenden. Denn gemeinsam ist die Szene stärker, sichtbarer und einflussreicher.
Der LVBG vertritt in diesem Gefüge die Berliner Galerien, die einen wesentlichen Anteil am Kunstmarktstandort Berlin haben. Meine Arbeit im LVBG soll den Kunstmarktstandort sichtbarer machen und seinen Stellenwert in der Berliner Kulturszene erhalten und stärken.

2. Welche Entwicklungen in der Kunstszene Berlins finden Sie besonders spannend?

Aktuell steht die Berliner Kunstszene mit ihren vielen Künstler*innen, Projekträumen und Institutionen, aber auch die Kultur insgesamt, unter enormem Druck durch die Kürzungen der Kulturförderung. Dies hat auch Auswirkungen auf die Galerien und den Kunstmarktstandort Berlin.
In dieser Situation ist es wichtig, zusammenzustehen, geschlossen zu agieren und nach gemeinsam getragenen Lösungen für diese Herausforderungen zu suchen. Die Dynamiken, welche hieraus entstehen können, stärken hoffentlich den Standort nachhaltig, damit Berlin als Produktionsstandort für Künstler*innen aus der ganzen Welt interessant bleibt.

3. Welche Rolle spielt eine gute Organisation heute für den wirtschaftlichen Erfolg von Galerien?

Galerien sind zum einen natürlich der Kunst verpflichtet – schlussendlich aber auch wirtschaftliche Unternehmen, deren Erfolg vom optimalen Einsatz von Ressourcen abhängt. Je besser es gelingt, Arbeitsabläufe zu optimieren und damit Schnelligkeit zu gewinnen und Reibungsverluste zu vermindern, umso mehr liegt die Konzentration auf den Arbeiten der Kunstschaffenden, die damit auch für den wirtschaftlichen Erfolg mitverantwortlich sind.

4. Wo wünschen sich Galerien aktuell die größten Erleichterungen in ihrem Arbeitsalltag – insbesondere im Umgang mit Kunstwerken, Daten und Kontakten?

Für mich ist es wichtig, schnell an die benötigten Informationen zu gelangen, diese gegebenenfalls einfach zu verknüpfen und daraus mein Arbeitsergebnis zu generieren.
Sei es, die Daten eines Kunstwerks mit den Daten der Kaufenden zu verknüpfen, um eine Rechnung zu generieren, oder gezielt auf Sammlerinnen und Sammler und Interessierte zuzugehen – sei es mit Informationen oder Einladungen.
Im Umkehrschluss benötige ich möglichst viele Informationen über Werke, Künstlerinnen und Künstler sowie Kundinnen und Kunden, die ich in beliebiger Weise miteinander verknüpfen und somit nutzen kann.

5. Welche Prozesse im Galeriealltag sind heute noch besonders zeitaufwendig oder fehleranfällig?

Informationen, die ich nutzen möchte, müssen im Vorfeld im System eingepflegt werden. Eine sorgfältige Datenerfassung von Kunstwerken und Adressen von Kunstinteressierten ist zeitaufwendig. Trotz aller Sorgfalt können hierbei Fehler passieren.

6. Welche typischen Probleme im Galeriealltag können durch eine professionelle Kunstdatenbank konkret gelöst werden?

Zum einen gelingt es mit einer professionellen Kunstdatenbank natürlich, das Werk eines Künstlers oder einer Künstlerin gut abzubilden und verkaufte und noch nicht verkaufte Werke darzustellen.
Neben den in der Galerie zu besichtigenden Werken können Kunstinteressierte in einer Datenbank auch Werke sehen, die gerade nicht ausgestellt werden.
Wenn die Kaufentscheidung der Kundin oder des Kunden gefallen ist, können die „Büroarbeiten“ im Anschluss ohne großen Aufwand schnell erledigt und der Verkauf für das Galeriearchiv dokumentiert werden.

7. Was bedeutet für Sie eine nachhaltige und zukunftsfähige Galerieszene?

Eine nachhaltige und zukunftsfähige Galerieszene verbindet für mich ökologische Verantwortung mit ökonomischer Stabilität und sozialer Fairness.
Eine zentrale Rolle wird dabei die Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks spielen – durch ressourcenschonendes Ausstellungsdesign, regionale Künstler*innenförderung und eine klimafreundliche Logistik.
Immer relevanter wird dabei die Nutzung digitaler Innovationen – wie wir es bei der ersten LVBG-Branchenkonferenz „KI und Kunst(Markt)“ herausgearbeitet haben –, um den Kunstmarktstandort Berlin krisenfester und transparenter zu gestalten.

8. Gibt es ein besonderes Projekt oder eine Initiative des LVBG, die Ihnen besonders am Herzen liegt?

Besonders am Herzen liegt mir die Initiative VBKI-Preis BERLINER GALERIEN, die wir gemeinsam mit dem VBKI (Verein Berliner Kaufleute und Industrieller) und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe vor zehn Jahren aus der Taufe gehoben haben.
Die Initiatoren verstehen den Preis als wichtige Unterstützung des international bedeutenden und wichtigen Kunstmarktstandorts Berlin. Zudem möchten sie den Fokus der Öffentlichkeit auf die wichtige Vermittlungsarbeit der Galerien für zeitgenössische Kunst richten und auf deren großes unternehmerisches Engagement aufmerksam machen.
Dazu ist mir, wie auch meinen Vorstandskolleginnen und -kollegen im LVBG, Nana Poll, Werner Tammen und Thomas Schulte, die Sichtbarkeit des Kunstmarktstandortes Berlin wichtig.
Aktuell erarbeiten wir neue Ideen, wie uns diese Sichtbarkeit für die Berlinerinnen und Berliner, aber auch für unsere Gäste aus der ganzen Welt, in der Fläche und für alle Marktteilnehmer gelingen kann.

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